Uhrträume
Wenn Zeit und Emotionen im Einklang sind

Die Uhrgeschichte


 Das Interesse an mechanischen Armbanduhren wurde bei mir schon relativ früh geweckt.


Es war so um 1968, als Zwerg von 7 Jahren führte mich mein Schulweg - natürlich mit Umwegen - immer an diesem kleinem Juweliergeschäft vorbei, und da lag sie, auf  grünem Flies gebettet, eine Kienzle Handaufzug für unerschwingliche 32.-DM.

Doch nach einjähriger Quengelphase, Dauersparens, und Verzicht auf Tauschbilder war es dann endlich soweit. Der Juwelier forderte mich auf, meinen Arm über die für mich viel zu hohe Vitrine zu strecken, professionell legte er dann die Uhr meiner Begierde um mein Handgelenk, und verschloss sie wieselflink.
Ich seinerseits zog meinen Arm zurück, und konnte es immer noch nicht glauben - die erste eigene Armbanduhr!
Dieses Schlüsselerlebnis prägte mein Interesse für mechanische Armbanduhren nachhaltig.

Nachdem ich zwei Jahre meine Kienzle Tag und Nacht getragen hatte, quittierte sie ihren Dienst nach einem Fahrradunfall, der in einem Bachlauf endete. Es musste also eine robuste wasserdichte Uhr her und was lag Anfang der 70er näher als eine Timex, die sich hinter einer drehenden Glasvitrine im „Allkauf“ präsentierte. Das Sparbuch wurde geplündert und mit einer gewissen Routine behaftet das gute Stück mit Hilfe des Verkäufers aus der Vitrine befreit.
Für Stolze 49.-DM betrat ich dann uhrmacherisches Qualitätsneuland, so suggerierte es mir zumindest die Werbung, denn schließlich konnte man mit einer Timex auch eine Glasscheibe durchschlagen.

Na ja, das mit der Glasscheibe hat dann nicht geklappt, und so leistete ich mir mehrere No Name Taucheruhren aus dem Kaufhaus für jeweils 2-3 Monate. Doch damit war mein Verlangen nach einer damals renommierten Markenuhr noch nicht gestillt. Das Modell war schnell ausfindig gemacht, es bewegte sich mit dem Handgelenk meines Mathematiklehrers und den Bemühungen, uns Algebra näher zu bringen.

Die Ära mit jener besagten Dugena Handaufzug beendete ich mit dem vierzehnten Lebensjahr, denn als ich am Abend meiner Konfirmation den Kassensturz einleitete, war mir sofort klar, wo der Weg des darauf folgenden Tages mich hinführen würde.

Mit 400.-DM in der Tasche zog ich also los und stand vor der großen Schaufensterfront eines Juweliergeschäftes in der Mülheimer City. Völlig überwältigt von der riesigen Auswahl betrat ich die Fußkontakte der Schiebetür und wurde sofort mit dem hiesigen Uhrmacher konfrontiert.

Voller Respekt schilderte ich ihm mein Anliegen und irgendwie hatte ich das Gefühl, er nahm mich trotz meines jungen Alters ernst.
Herr Hense, kann mich an den Namen noch genau erinnern, verbrachte viel Zeit, sehr viel Zeit, mir die einzelnen Uhrenfirmen, Modelle, und Qualitätsunterschiede zu erklären. Er öffnete sogar einige Uhren, damit ich mich von der Schönheit und Ästhetik mancher Uhrwerke selbst überzeugen konnte.
Und im Nachhinein glaube ich, hat Herr Hense meine Aufmerksamkeit unbewusst in Richtung Rolex und speziell zum Modell Submariner gelenkt, die aber zum damaligen Preis von 1.450.-DM  unerreichbar war. Meine Vorliebe zur Marke Rolex entsprang also genau hier, am Präsentationstisch eines  Juweliers in Mülheim an der Ruhr.
Doch die selbst auferlegte Budgetierung, oder besser gesagt die meiner Eltern, ließen „nur“ einen Citizen Chronographen zu. Was ich hiermit nicht abwertend beurteilen möchte, es war eine tolle Uhr, die mich ein Jahr lang begleitet hat.

Nach einem Fußballunfall, der mich drei Wochen ans Krankenhausbett fesselte, lernte ich einen Mitleidenden meiner Altersklasse kennen, dessen Hobby und Interessen sich in die gleiche Richtung bewegten. Denn immer den Blick aufs Handgelenk gerichtet, erkannte ich sofort: er trug eine Citizen der neusten Generation. Wir „fachsimpelten“  täglich über unser Hobby und fast beiläufig verriet er mir die Adresse eines befreundeten Inhabers eines Juweliergeschäftes seines Vaters, bei dem ich erheblichen Nachlass auf alle Uhrenmodelle bekäme.
Zielstrebig und humpelnd zog es mich direkt nach meinem Krankenhausaufenthalt in dieses besagte Juweliergeschäft und etwas schüchtern kontaktierte ich den Inhaber, gab meine Geschichte zum Besten, bestellte schöne Grüße und tatsächlich gehörte ich von diesem Tage einem Klientel an, der Uhren und Schmuck nicht mehr zum unverbindlichen Richtpreis erwerben musste.

Die nächsten Jahre wechselte ich also meine Armbanduhren häufiger als Damen Ihre Schuhe, finanziert durch reduzierten Einkauf, einer gewissen Verweilzeit an meinem Handgelenk und gutem Verkauf  der „Gebrauchten“ an Uhreninteressenten.
Nach mehreren Citizen, Seiko usw., ich war gerade mal 16 Jahre alt, leistete ich mir eine Omega Speedmaster Professional im Wert von VK 995.-DM.
In Zeiten von Monatslöhnen um ca. 1400.- DM entbrannten einige hitzige Diskussionen im Familien- und Freundeskreis um Sinn und Unsinn dieses „Weckers“, wie er „liebevoll“ genannt wurde. Denn schließlich gab es und gibt es weitaus günstigere Quarzuhren, die auch nur die Zeit anzeigen und obendrein noch ein präziseres Gangverhalten an den Tag legen.
Diese Argumentation ist vollkommen richtig, trotzdem werde ich im Kapitel „Zeitgeschichte“ versuchen, Argumente für eine mechanisch höherwertigere Armbanduhr zu finden.
Vielleicht gelingt es mir, einen Denkanstoß zu geben, damit Sie sich mit der Thematik Zeit und Uhr ein wenig näher beschäftigen.
Nun sind einige Jahre vergangen und wie Sie sich sicherlich denken können, verweilt die Omega Speedmaster nicht mehr an meinem Handgelenk.
Sie beschloss übrigens nach zwei Jahren ihren Dienst einzustellen, was mich damals bewog, nach der Revision schnellstmöglich einen Käufer außerhalb meines Freundes- und Bekanntenkreises zu suchen.

Es war übrigens die erste und einzige Uhr, die mich ohne ersichtlichen Grund im Stich gelassen hat. Seitdem stehe ich mit der Firma Omega ein wenig auf Kriegsfuß, was aber ein rein persönliches und subjektives Gefühl ist.

Nach dieser Erfahrung durchforstete ich die Juwelierauslagen aller umliegenden Städte nach einer wirklich robusten und innovativen mechanischen Uhr. Die Quarzuhren überschwemmten gerade das Land und ließen nur wenige Modelle in die engere Wahl kommen.

Zum einen meine heißgeliebte Rolex Submariner, und zum anderen eine IWC Ingenieur. Letztendlich entschied ich mich für die IWC, sie war das schlichtere und unauffälligere Modell, was somit keinerlei Erklärungsbedarf zu meinen Mitmenschen nach sich zog. Die Zeit für eine Rolex war für mich, der am Anfang der Volljährigkeit stand, irgendwie noch nicht reif, obwohl ich damals schon die inneren Vorzüge dieser Uhr zu schätzen wusste. Rolex ist und bleibt eine der bekanntesten Uhrenmarken der Welt, doch leider wurde die Marke in den 70-80er Jahren einem bestimmten Klientel zugeordnet und genau diese Klientel präsentierte die Uhren leider häufig nur wegen der zu erwartenden Wiedererkennung und des allgemein bekannten Preisniveaus, nicht aber für ihre absolute Zuverlässigkeit, Robustheit und Qualitätsanmutung. Zum Glück wandelte sich dieses Image mit dem aufkommenden Interesse an mechanischen Armbanduhren Ende der 90er Jahre und damit auch die verbundene Bewusstseinserweiterung der Käufer.

Nun gut, das nur am Rande, zurück zu meiner IWC, sie begleitete mich über viele Jahre hinweg, und mit ihr erlebte ich überwiegend schöne, aber auch traurige Stunden. Die Koppelung zwischen meinen emotionalen Empfindungen und meiner Armbanduhr ließen bei mir die Vermutung keimen, dass die Uhr an sich mir sicherlich mehr bedeutet und ich sie nicht nur als reines Zeitmessinstrument sehe. Um dies herauszufinden, investierte ich Zeit in die Zeit, las Fachliteratur, besuchte diverse Uhrmacher und absolvierte vor ein paar Jahren zwei Uhrmacherseminare, mit dem Ziel, aus bis zu 120 Einzelteilen ein funktionstüchtiges Uhrwerk zum „Leben“ zu erwecken.

Mit diesem Hintergrundwissen verfestigte ich meine Vermutung, dass die mechanische Uhr mehr für mich als nur ein Zeitinstrument ist.
Jahrhundertealte Traditions- und Konstruktionsmerkmale, viel Handarbeit und Liebe zum Detail, avancierte dieses technische Kleinod fast unbemerkt zum menschlichen Kulturgut. Und einige von Ihnen werden mir sicherlich zustimmen, diejenigen, die vielleicht schon mal eine hochwertige Uhr geschenkt oder vererbt bekommen haben, es steckt immer ein Stück Zeitgeschichte des Schenkenden in ihr. Kein anderer Gegenstand verknüpft somit Emotionen und Persönlichkeiten besser und „lebendiger“ als eine mechanische Uhr.
Aber jetzt drifte ich schon ein wenig auf eine philosophische Schiene ab, dieses Thema wollte ich primär im Kapitel „Die Zeitgeschichte“ behandeln.
Somit verlasse ich diese Gedankengänge, und versetze mich in das Jahr 1993. Fünfundzwanzig Jahre nach dem Kauf meiner ersten Kienzle Armbanduhr hielt ich eine unverwechselbare grüne Schatulle in den Händen, in ihr schlummerte eine Rolex Submariner Date, nagelneu und mit allen Schutzaufklebern versehen! Vorsichtig befreite ich die Uhr von allen Folien und durch behutsame Bewegungen erweckte ich sie zum „Leben“.

Die finale Uhr, ich bin angekommen – dachte ich!

Doch weit gefehlt, inzwischen entdeckte auch die Druckindustrie das immer größer werdende Interesse an mechanischen Armbanduhren, Zeitschriften wie Uhren-Magazin oder Chronos ( www.watchbizz.de ) wurden geboren und allesamt sprechen sie mit hervorragender Qualität, exzellenten Berichten und Recherchen einen Wachstumsmarkt von Uhrenliebhabern an.
Die jährliche Prämisse einer dieser Zeitschriften ist die Wahl „UHR DES JAHRES“.
Und genau diese wurde mir 1996 zum Verhängnis. Es war eine Chronoswiss Opus, ein skelettierter Chronograph mit einem ETA-Werk 7750 und Saphirglasboden.
Um dieses schöne Stück mein eigen nennen zu können, musste ich leider meine Submariner Date in anderweitige gute Hände abgeben.
Ein Fehler, der sich nach 3monatiger Tragezeit herauskristallisierte, die Anfangseuphorie war verflogen, die Sehnsucht nach einer Rolex Submariner wieder entbrannt.
Ich glaube man kann es etwas auf das reale Leben projektieren, die „Liebe auf den ersten Blick“ zu einem Menschen bleibt auch unvergessen.
Und somit versuchte ich Anfang 1997, die Uhr des Jahres 1996 gegen eine Submariner mit Wertausgleich zu tauschen, was bei verschiedenen Juwelieren mit einem kurzen müden Lächeln abgehandelt wurde.

Es gab mal wieder keine Sportuhren in Edelstahl von Rolex in Deutschland, geschweige denn ein Interesse am Ankauf meiner Opus.
Um das Phänomen fehlender Stahlsportuhren ein wenig aufzuklären: Rolex fertigt im Jahr ca. 750.000 Uhren, einen bestimmten Anteil davon in Edelstahl, die dann wiederum in Japan oder Asien gerne vermarktet werden. Um das hohe Fertigungsniveau zu garantieren, wird die Kapazität trotz hoher Nachfrage in der Manufaktur nicht erhöht. Es ist sicherlich auch ein Stück Firmenpolitik, dadurch dass die Produkte nicht zu erwerben sind, werden sie automatisch begehrter für den Endkunden.
Die Rolex Daytona Stahl ist ein glänzendes Beispiel dafür, wer sie besitzen möchte, muss erst einmal die Hürde überwinden, überhaupt mit seinem Namen auf eine Warteliste zu kommen, und zweitens noch eine Verweilzeit von bis zu 8 Jahren sehnsüchtig überbrücken.
Auch ich konnte mich mit dem Gedanken anfreunden, vielleicht einmal die Uhrzeit von einer Daytona ablesen zu können.
Doch vor den zweiten Schritt kommt bekanntlich der erste, aber niemand wollte meine Chronoswiss......
Doch nach zähen Verhandlungen tauschte ein Rolex Händler im Ruhrgebiet meine Opus gegen eine (man staune) im Schaufenster liegende Explorer II, natürlich ohne Wertausgleich, aber mit dem entscheidenden Vorteil gleichzeitiger Aufnahme in eine Daytona Warteliste.
Somit hatte ich zwar nicht das Wunschmodell der Firma Rolex, die Einschreibung kostete mich durch den Wertverlust der Chronoswiss ca. 2.000.- DM, aber die Chance auf eine Daytona war in ein relativ absehbares Zeitfenster gerückt.

Es dauerte ziemlich genau 4 Jahre bis zu diesem ersehnten Anruf: „ ......und wenn Sie möchten, können Sie eine Daytona heute bis 18.30 abholen, ansonsten werde ich sie morgen früh dem nachfolgenden Kunden anbieten...... !“
Harte Bandagen, klare Anweisungen dachte ich noch, bestätigte dann aber freundlich dem resoluten Herrn, dass ich alles in die Wege leiten würde, um pünktlich und innerhalb der gesetzlichen Ladenöffnungszeiten das Geschäft zu betreten.
Keine Chance auf irgendwelche Rabatte, keine Chance auf die Wahl des Zifferblattes, aber immer noch mein infantiles und stolzes Gefühl beim Erwerben einer Armbanduhr, jenes Gefühl, das ich beim Kauf meiner Kienzle zum ersten mal erlebte.

Das Verkaufen meiner Explorer II war erfahrungsgemäß unproblematisch, denn Rolex ( www.rolex.com ) hat durch seine jahrzehntelange und gleichbleibende Modellpolitik den entscheidenden Vorteil; die Uhren „altern“ nicht, die Submariner wurde 1953 vorgestellt und sieht im Jahre 2006 nahezu identisch aus. Die Manufaktur ist bemüht, nicht ständig neue Modelle auf den Markt zu bringen, sondern die vorhandenen Modellreihen technisch kontinuierlich weiter zu entwickeln. Das Uhrenkaliber 3135 zählt für mich nicht zu den schönsten, aber besten, robustesten und langlebigsten Uhrwerken seiner Klasse.
Ich denke, viele Uhrmacher werden es mir bestätigen.

Das Bestätigen meinerseits, dass die Vorfreude die schönste Freude ist, spiegelte sich im Verkauf der Daytona nach circa einem halben Jahr wider. Der Reiz, diese Uhr besitzen zu müssen, war verflogen, das Verlangen nach mehr Individualität und höherwertiger filigraner Handwerkskunst gestiegen und somit landete meine Daytona in einem Internet Auktionshaus.
Die Versteigerung verlief planmäßig, die Zahlungsgutschrift binnen 3 Tage auf meinem Konto, die nächste Manufakturuhr ins Auge gefasst und bestellt.
Die 1815 in WG von Lange & Söhne ließ nicht lange auf sich warten. Genau zwei Wochen nach Verkauf meiner Daytona, wagte ich mich mit dieser Uhr in die Kategorie der höheren Uhrmacherkunst. Verarbeitung, Materialauswahl, Individualität, alles auf höchstem Niveau, doch der Funke wollte nicht so recht überspringen und als mir die Uhr dann noch im Badezimmer aus den Händen glitt, nach gefühlten 30 Sekunden den Fliesenboden erreichte, das Gehäuse am Bandanstoß lädiert war, keimte bei mir das Gefühl empor – es ist nicht deine Uhr!
Die wochenlangen zähen Verkaufsbemühungen signalisierten mir ständig diese Eingebung, doch letztlich fand ich doch noch einen Interessenten, der wohl unbedingt eine lädierte, nachts nicht ablesbare, handaufzuziehende, aber dafür nur Spritzwasser geschützte Lange 1815 erwerben wollte.
Das Geschäft wurde zur beiderseitigen Zufriedenheit besiegelt, das Bargeld ließ ich am nächsten Morgen meinem Konto gutschreiben, doch die uhrenlose Gesamtsituation wollte die Freude über den erhöhten Kontostand nicht zulassen.

Was nun!?
Einerseits versuchte ich mit der Lange 1815 in die höhere und hohe Uhrmacherkunst einzusteigen, doch andererseits wurden mir die Grenzen in Bezug der Alltagstauglichkeit solcher Kunstwerke schnell ins Bewusstsein geführt.
Die teilweise in monatelanger liebevoller Kleinarbeit geschaffenen Schätze sollten auch dementsprechend behandelt und gewürdigt werden, doch genau dies degradiert sie für mich zu sogenannten Vitrinen- oder Wochenenduhren.
Es wäre viel zu schade, eine Uhr nicht jeden Tag erleben zu dürfen, sich der täglichen Freude an ihr entziehen zu müssen, und genau deshalb bestellte ich mir meine Traumuhr von damals, die mir Herr Hense so ans Herz gelegt hatte.
Die gute „alte“ Rolex Submariner (ohne Datum und ohne Chronometer Zeugnis), leider fast zum vierfachen des damaligen DM - Preises!  Diese Uhr besitze ich übrigens heute noch und sie ist fester Bestandteil meiner unverkäuflichen Raritäten.
Mit dem Werbeslogan "Die Uhr fürs Leben" erweckte die Manufaktur Audemars Piguet im Jahr 2006 mein Interesse an ihrem Modell Royal Oak.
Zum damaligen Listenpreis von 7600,-€ war es eine Alternative zu den bekannten Rolex Modellen. Doch leider schien die damalige Fertigungsqualität noch nicht meinen Ansprüchen gerecht zu werden. Eine Verbindungsschraube am Armband hatte sich gelöst und fast hätte ich diese Uhr am Nordseestrand verloren. Audemars Piguet versicherte mir, ihre Endkontrolle zu verbessern und zukünftig jede Armbandschraube mit Loctite zu sichern. Doch das Vertrauen in diese Uhr war nicht mehr allgegenwärtig und somit verkaufte ich die Royal Oak nach einer kurzen Zeitspanne an meinem Handgelenk.
Fast vierzig Jahre nach Kauf meiner Kienzle, stand ich voller rückblickender Erfahrungen vor dem Schaufenster eines Traditionshauses in Hamburg am Jungfernstieg. Die Technikbrücke von der einfachsten Kienzle Drei-Zeiger-Uhr bis hin zur vollendeten Version sollte heute geschlossen werden. Eine Patek Philippe Aquanaut war der Schlüssel zu dieser Aufgabe.
Ein erhabenes Gefühl, eine PP am Handgelenk zu tragen, unverwechselbar und unvergleichlich, man braucht Zeit, viel Zeit, um diesen emotionalen Wert einschätzen zu können.
Es gibt sie also doch, eine Patek Aquanaut, die alles verkörpert, was für mich der Inbegriff  „Horlogerie“  beinhalten sollte.
Die beste Uhrenmanufaktur der Welt - aber leider zu schade für den täglichen Umgang am Handgelenk, und so wurde die Patek entgegen meinen Prinzipien zur jahrelangen Tresoruhr degradiert.

Der Verkauf einer Patek Philippe verhält sich ähnlich problemlos und wertstabil wie bei einer Rolex und somit war es kein Problem, einen begeisterungsfähigen Nachfolgebesitzer für die Aquanaut zu finden.

Ein würdiger und alltagstauglicher Nachfolger für die Aquanaut war Mitte März 2016 zur Baselworld schnell gefunden. Die Rolex Daytona bekam in diesem Jahr eine schwarze Keramiklünette, sowie ein verändertes weißes Zifferblatt mit schwarz eingerahmten Totalisatoren.
Ich hatte Glück, ein  Juwelier meines Vertrauens setzte mich doch noch auf eine Warteliste, jetzt heißt es Geduld bewahren und vielleicht bekomme ich die Uhr ja zu einem besonderen Geburtstag noch ausgehändigt.
Die Veranlassung zu dieser Geschichte basiert auf Gesprächserfahrungen mit Uhrenliebhabern, die meiner Meinung nach allerdings oftmals ihre Uhren mehr als Statussymbol zur Schau tragen.

Sie werden dann auch gerne als Luxusuhren betitelt, doch ich denke, hier ist der Scheitelpunkt die Betrachtungsweise, für mich ist eine hochwertige mechanische Armbanduhr kein Luxusobjekt, sondern Jahrhunderte alte Handwerkskunst.
Und um die Kunst besser ertasten und begreifen zu können, sollte man mit einer Einsteigermechanik beginnen und sich bei wachsendem Interesse dann langsam in höherwertige Kategorien vorwagen.

Nur so begreift man die enorme handwerkliche Bandbreite des Uhrmachers, die ein Manufakturwerk in Vollendung zu bieten hat.
Man bezahlt letztendlich sekundär das Material, primär enorme Entwicklungskosten, aber vor allem die Menschen, die mit Hingabe und Geschicklichkeit jedes auch noch so kleine Teilchen verschönern und bearbeiten, um es dann zu einem Gesamtkunstwerk zu vereinen.
Ich vergleiche es einfach mal mit einem Maler, die Kosten für Farben und Leinwand sind verschwindend gering, die Kreativität, die kognitiven Gedächtnisleistungen, die Inspiration, das Herzblut und ein Stück seiner Seele für das Bild aber oftmals unbezahlbar.
Wenn Sie also demnächst vor einer Juwelierauslage verweilen, deren Angebot sich im Hochpreissegment bewegt, fällt es ihnen durch diesen kleinen Hintergrundeinblick vielleicht etwas leichter, die Höhe des Kaufpreises zu akzeptieren.

Ich hoffe, Ihr Interesse an mechanischen Armbanduhren ist durch meine kleine Biographie etwas angestoßen worden und würde mich freuen, wenn Sie sich gedanklich mit dem Kauf einer Einsteigermechanik in die Welt des „menschlichen Kulturgutes“ anfreunden könnten.